Schweißfüße (plantare Hyperhidrose): Ursachen, Behandlung und Vorbeugung
Teilen
Heute geht’s um ein Thema, das extrem häufig ist aber vielen unangenehm: Schweißfüße (medizinisch: plantare Hyperhidrose) und der typische Fußgeruch (Fötor Plantaris). Wichtig vorweg: Schweiß selbst ist geruchlos. Der Geruch entsteht fast immer erst dann, wenn Bakterien (und manchmal auch Pilze) Schweiß und Hornhautbestandteile abbauen.
Inhaltsverzeichnis:
- Warum riechen Füße „käseartig"?
- Arten des Schweißfußes
- Behandlung von Schweißfüßen
- Vorbeugung im Alltag
- Hausmittel aus dem Internet
- Fazit
Warum riechen Füße „käseartig“?
An den Fußsohlen sitzen besonders viele Schweißdrüsen. In geschlossenen Schuhen entsteht ein warm-feuchtes Milieu ideal für Keime aller Art.
Typische Geruchsstoffe sind kurzkettige Fettsäuren (z. B. Isovaleriansäure) und schwefelhaltige Abbauprodukte, die durch bakterielle Zersetzung entstehen.
Arten des Schweißfußes:
1) Primäre Hyperhidrose (häufig)
- beginnt oft in Kindheit/Jugend Alter
- „ohne“ erkennbare Grunderkrankung
- Stress/Emotionen können verstärken
Leitlinie: Für die primäre Hyperhidrose werden u. a. Aluminiumchlorid, Iontophorese und Botulinumtoxin als etablierte Optionen beschrieben.
2) Sekundäre Hyperhidrose (seltener, aber wichtig)
Hier sollte man an Auslöser denken wie z. B.:
- Schilddrüsenüberfunktion, Infekte/Fieber, Wechseljahre
- bestimmte Medikamente (z. B. Antidepressiva, Hormone u. a.)
- Stoffwechsel-/systemische Erkrankungen (je nach Kontext)
Merke: Wenn Schwitzen neu auftritt, plötzlich stark wird oder nachts auftritt, ist eine ärztliche Abklärung sinnvoll.
3) „Bromhidrosis“ / starker Körpergeruch
Bromhidrose meint ausgeprägten Körpergeruch (meist durch bakterielle Zersetzung). Viele Betroffene waschen „mehr“, aber das Grundproblem ist oft Keimlast + feuchtes Milieu, nicht mangelnde Hygiene.
4) Häufige Begleiterkrankung: Pitted Keratolysis (Keratoma sulcatum)
Der „Lochfraß“ :
- kleine „Grübchen“/Krater in der Hornhaut
- oft starker Geruch, manchmal Brennen/Schmerz
- typische Erreger: grampositive Bakterien (u. a. Corynebakterien)
Behandlung von Schweißfüßen:
Obwohl man den Schweißfluss an sich nur schwer vollständig unter Kontrolle bringen kann, gibt es verschiedene Methoden, um den unangenehmen Geruch zu reduzieren und die Füße trocken zu halten:
Behandlung von Schweißfüßen: Was wirklich hilft (evidenzbasiert)
1) Antitranspirantien (First-line)
Der wichtigste, oft unterschätzte Schritt: Aluminiumchlorid (für Füße meist höhere Konzentrationen als für Achseln).
Anwendung:
- abends auf komplett trockene Haut
- anfangs täglich für 1–2 Wochen, danach Erhaltung 1–3×/Woche
- bei Reizung: seltener, ggf. vorher/nachher Pflege (nicht fettig-okklusiv)
Aluminiumchlorid gilt in vielen Übersichten als Standard-Starttherapie ( trotz der neuersten erkenntnise).
2) Leitungswasser-Iontophorese (sehr gut bei Fußschweiß)
Die Leitungswasser-Iontophoresenutzt Gleichstrom über Wasserbäder; wahrscheinlich wird die Schweißdrüsenfunktion funktionell gebremst. Das Gleichstrom verfahren das die Nerven an den Schweißdrüsen stimuliert und beruhigen soll.
- initial mehrere Anwendungen/Woche, dann Erhaltung
- wirksam besonders an Händen/Füßen
3) Behandlung der Keime (wenn Geruch im Vordergrund steht)
Geruch ist oft „Keim-Management“. Sinnvoll sind:
- antibakterielle Waschungen (z. B. antiseptische Waschlotionen)
- kurzzeitige topische Antibiotika bei pitted keratolysis (ärztlich): z. B. Erythromycin/Clindamycin
- parallel konsequent trocken halten
4) Botulinumtoxin A (bei starken Fällen)
- kann auch an den Füßen wirken, hält oft mehrere Monate
- ist jedoch schmerzhafter (Sohle) und kostenintensiver
Die Leitlinie führt Botulinumtoxin A als Option auf, dafür sprechen sie bite mit ihrem Arzt.
5) Fußpflegeprodukte: was passt, was nicht?
Cremes sollten sorgfältig gewählt werden. Fettige Cremes verstärken das Problem oft, da sie die Verdunstung des Schweißes blockieren „Stauwärme-Effekt“. Empfehlenswert sind spezielle Produkte wie Allpresan Fußschaum 5, der bei regelmäßiger Anwendung in etwa zwei Monaten eine deutliche Besserung bewirken kann.
Besser (je nach Hautzustand):
- leichte, nicht-okklusive Pflege bei Reizungen
- Urea bei sehr trockener, rissiger Haut (aber nicht „zu fett“ schichten)
- bei starker Hornhaut: professionelle Abtragung (Podologie) → weniger „Nischen“ für Bakterien
Fußbäder & adstringierende Pflanzenstoffe: sinnvoll, aber richtig einordnen
- Salbei und Eichenrinde wirken adstringierend/gerbend und können unterstützend sein.
- Kaliumpermanganat kann kurzfristig helfen, ist aber stark färbend und kann bei falscher Konzentration reizen wenn, dann genau nach Apothekenanleitung.
- Wichtig ist, diese Behandlung regelmäßig, etwa alle drei bis vier Tage, durchzuführen.
Vorbeugung: die besten Hebel im Alltag
Schuhe
- atmungsaktive Materialien (Leder, Stoff) ggf. wechselnde Paare
- Schuhe mind. 24 Stunden trocknen lassen (nicht zwei Tage hintereinander, wenn stark feucht)
- Einlagen zum Trocknen herrausnehmen
- Einlagen regelmäßig wechseln/trocknen
- Natron hilft den Geruch zu binden
Socken
- häufiger wechseln (bei Bedarf 2×/Tag)
- gut sind Materialien, die Feuchtigkeit wegtransportieren (Merino, Funktionsfasern; Baumwolle ist ok, kann aber „nass bleiben“)
- Waschen bei 60 °C, wenn das Material es zulässt (Keimreduktion)
Einlagen & „Geruchshelfer“
- Aktivkohle-/Zedernholz-Einlagen können Geruch binden, lösen aber nicht die Ursache.
- Silikagel-Säckchen sind gut zum Trocknen der Schuhe.
- Schuh Trocknungsgeräte
Hausmittel: aus dem Internet
Internet-Tipps:
- Essig: kann kurzfristig den pH verändern, reizt aber häufig und der Eigengeruch ist… schwierig.
- Mundwasser (z. B. Listerine): enthält antiseptische Bestandteile, kann aber stark reizen, keine Standardempfehlung.
- Zinkcreme/Babycreme: Zink kann beruhigen, aber viele Cremes sind okklusiv → bei Schwitzen eher kontraproduktiv.
- Katzenstreu in Schuhen: saugt Feuchtigkeit, ist aber unhygienisch/staubig; besser: Silikagel/Schuhtrockner.
Fazit
Schweißfüße sind häufig und fast immer gut behandelbar. Der Schlüssel ist die Kombination aus
- Schweiß bremsen (Aluminiumchlorid, Iontophorese; ggf. Botulinumtoxin)
- Keime reduzieren (antibakterielle Waschungen, geeignete Cremen)
- Alltag optimieren (Schuh-/Sockenkonzept, Trocknung, regelmäßige Hornhautpflege)